Todesmärsche im Westharz
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Vorfälle während der Todesmärsche
Todesmarsch des "Letzten Transports" des KZ Dora ("Große Harzüberquerung")
- Auf dem Gelände oberhalb des Ortsausgangs Freiheit sowie auf einer Wiese unterhalb des Ortseingangs Lerbach fand die Erschießung jeweils eines französischen Häftlings statt. Dies waren die ersten Erschießungen auf dem Todesmarsch der 3.500 Dora-Häftlinge; innerhalb der Ortschaften, hier Osterode, Freiheit und Lerbach wurde "Zurückhaltung" geübt.
- Kurz hinter Lerbach freuten sich holländische Häftlinge über das Gedröhn herannahender alliierter Flieger; zur Abschreckung führte ein SS-Mann einen Holländer an den unterhalb fließenden Lerbach und ermordete ihn beim befohlenen Wassertrinken durch Genickschuss.
- Beiderseits des steilen Serpentinenanstiegs zwischen Lerbach und Heiligenstock fand man nach dem Krieg acht erschossene, schon skelettierte Häftlinge. Sie wurden 1948 von einem
Osteroder Beerdigungsinstitut bestattet.
- Innerorts erfolgten keine Morde. Unweit dieser Stele stellte eine Anwohnerin den
durstenden Häftlingen an den Straßenrand einen Eimer Wasser, er wurde von
SS-Leuten umgestoßen. Die Stele vor der Kirche in Clausthal steht für verweigertes Wasser.
- Schon vor Clausthal von der SS wegen Schwäche selektierte Häftlinge wurden nach
Verlassen des Ortsteils Zellerfeld hinter den Wiesen im beginnenden Waldgelände
erschossen, die Schüsse hörte man noch im Ort. Drei notdürftig im Wald
verscharrte Leichen wurden später auf dem Friedhof an den Pfauenteichen bestattet.
- An der ehemaligen Brücke nach Altenau, jetzt unter den Wassern des Okerstausees, wurden später weitere Erschossene am Wegrand gefunden. Die SS drückte seit Zellerfeld deutlich auf das Marschtempo, viele konnten jetzt am späten Nachmittag nicht mehr mithalten. Einzelerschießungen kamen allenthalben hinzu.
- Schon im Dunkeln versuchten etliche Häftlinge durch Erklimmen der steilen Waldhänge zu fliehen, so auch in Höhe der 6. Fabrik im Okertal: Man stellte ihnen nach. Später fand man am Hang zwei Tote.
- In der Nacht wurden am Bahnhof Oker auf einem rückwärtigen Verladegleis die erschöpften Häftlinge auf Güterwaggons verladen, die am 9.4.45 gegen 4 Uhr früh Oker verließen. Noch auf dem Bahnhofsgelände mussten zwei Häftlinge sterben.
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- Der erste Mord nach dem Aufbruch aus Gandersheim fand rechts unter der Böschung der
B 242 östlich Münchehof, nahe der heutigen Kreisgrenze an einem deutschen
"Bibelforscher" statt, wie die Zeugen Jehovas im KZ genannt wurden; die Leiche
wurde im Mai 1945 vom Grundner Kuhhirten gefunden.
- Der 50-jährige Zeuge Jehovas Werner Döllinger litt wie viele, die beim Übernachten in der Turnhalle im Teufelstal (Bad Grund) von Hundekuchen gegessen hatten, an Durchfall. Gegen 10.00 Uhr am 5.4.1945 wurde er am Iberg unterhalb der B 242 beim Versuch, seine Notdurft zu verrichten, am Rande der Schachtpinge "Unterer
Hasselberg" von einem Bewacher angeschossen, stürzte noch lebend in den
Schacht, wurde später von russischen Zwangsarbeitern tot geborgen und in Bad
Grund anonym bestattet.
- Im kleinen Steinbruch oberhalb der "Pferdetränke", links der B 242, 1,5 km
oberhalb der Spitzkehre wurden gegen 11 Uhr zwei namentlich bekannte Franzosen
erschossen.
- In der Zellerfelder Kirche übernachteten 450 Häftlinge. Die meisten hatten Durchfall. Sie durften aber nur einzeln zur Toilette hinaus. Die Bevölkerung klagte am
nächsten Tag über die "pietätlosen" Häftlinge, die die Kirche arg verunreinigt hatten.
- Nach einem Marsch durch Clausthal kam die Kolonne am Hirschler Brink wieder in
Waldgelände. Hier selektierten und ermordeten die Bewacher elf Häftlinge.
Sie und die zehn kurz danach am Voßhai Ermordeten wurden zunächst hier
bestattet und später auf verschiedene Friedhöfe umgebettet.
- Der steile Anstieg zum Stieglitzeck erschöpfte die Kräfte der Häftlinge. Gegen Mittag selektierten die Bewacher ein zweites Mal. Acht Italiener, ein Franzose und ein Russe wurden auf einem Waldweg, ca. 15 m rechts der Straße bei km 9,7 erschossen. Zwei
Wochen später fanden amerikanische Soldaten die Leichen und fotografierten sie. Waldarbeiter begruben sie später oberflächlich.
- In Braunlage auf dem Gelände des ehemaligen Sägewerkes Buchholz, heute Supermarkt, übernachteten die verbliebenen ca. 430 Mann. Der Marsch ging am 7.4.1945 weiter über die Bodestraße nach Wernigerode zur Ziegelei Heuer.
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Todesmarsch der III. SS-Baubrigade
- In der Nacht vom 7. auf den 8. April 1945 wurden im KZ-Stammlager Wieda der III. SS-Baubrigade zu den 250 vorhandenen noch ca. 900 Häftlinge gepfercht, die aus den drei Außenlagern Mackenrode, Nüxei und Osterhagen anmarschiert waren. Einige der überlasteten Bettgestelle brachen, sechs Häftlinge wurden erdrückt. Die Toten wurden am Waldrand hinter dem Lager verscharrt; heute ruhen sie auf dem Wiedaer Friedhof.
- Wahrscheinlich gab es hier kein Tötungsdelikt; Albert van Dijk schreibt aber: "Gleich hinter dem Ort Wieda fielen schon die ersten Schüsse." Die Stele markiert die Route des Todesmarsches.
- Stele Nr. 15: Der erste Block von 400 Marschierern geriet nach van Dijk auf einer Wiese in Braunlage in den Kampf zwischen alliierten Flugzeugen und Flugabwehr. Dabei wurden einige Häftlinge verletzt. Vor dem Weitermarsch wurden sie von ihren Bewachern erschossen.
- Stele Nr. 18: Von Braunlage kommend wurde bei leichtem Nachtfrost bäuchlings auf einer Wiese vor Elend übernachtet. Einige Häftlinge konnten wegen Erschöpfung oder Erfrieren am Folgetag nicht weiter und sind hier erschossen bzw. liegengelassen worden.
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